Leidet mein Kind unter einer Allergie?

31.05.2017 13:44

Leidet mein Kind unter einer Allergie?

Kaum ist die Grippesaison vorbei, geht das Schniefen und Niesen wieder los. Im Frühling wirbeln viele Pflanzen ihre Pollen in die Luft. Je wärmer es wird, desto mehr lassen sie ihre Stäube ab. Leider sind Allergien längst zu einer Volkskrankheit herangewachsen, von der auch immer mehr Kinder betroffen sind. Neurodermitis, Heuschnupfen oder Lebensmittelallergie – fast jedes dritte Kind leidet heute an einer Allergie. Auch Babys sind vor ihnen nicht sicher.

Was ist eigentlich eine Allergie?

Unter einer Allergie wird eine immunologisch bedingte Überempfindlichkeit gegenüber körperfremden Stoffen verstanden. Wenn das Immunsystem einem Allergen begegnet, reagiert der Körper, indem er Histamine und andere chemische Stoffe freisetzt. Dies führt zum Bespiel zu einer Schwellung von Schleimhäuten, einer Blockade der Nase oder der Atemwege und kann zu Halsschmerzen, Durchfall, juckenden, tränenden Augen und juckendem Ausschlag führen.

Häufigkeit von Allergien bei Babys und Kindern

Früher gehörten typische Kinderkrankheiten wie Röteln, Scharlach oder Masern zu einer normalen Kindheit. Heute haben Allergien sie in ihrer Verbreitung und Häufigkeit abgelöst. Von Allergien und Unverträglichkeiten sind oft schon Babys, Kleinkinder und Jugendliche betroffen. Kinder, die oft mit Infekten in Berührung kommen, weil sie etwa Geschwister haben oder schon früh in die Kita gehen, sind seltener betroffen sowie Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen im Gegensatz zu Stadtkindern. Fakt ist jedoch, dass jedes dritte Baby heute mit einem erhöhten Allergierisiko auf die Welt kommt. Allergien betreffen heute etwa 20 bis 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen.

Diagnose

Nicht alle Allergieverläufe sind schwerwiegend. Zu den häufigsten Allergenen gehören Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Nahrungsmittel und Insektengifte. In den ersten beiden Lebensjahren überwiegen Nahrungsmittelallergien und Hauterkrankungen. Eine frühe Erkennung ist jedoch sehr wichtig. Etwa 30 bis 40 Prozent betroffener Kinder können später an Asthma bronchiale erkranken. Wenn beispielsweise ein relativ "harmloser" Heuschnupfen nicht gezielt therapiert wird, kann es zu einer Ausbildung von einer schweren Erkrankung kommen. Zögern Sie daher nicht zu lange und suchen Sie bei dem ersten Verdacht einer Allergie bei Ihrem Baby den Arzt auf.

Das erste Diagnose-Instrument für den Arzt ist ein ausführliches Gespräch mit den Eltern oder dem Patienten selbst (wenn er schon spricht ;)), um dessen Lebensgewohnheiten kennen zu lernen. Der Arzt wird als Erstes versuchen abzuklären, ob es sich bei der Unverträglichkeit überhaupt um eine Allergie handelt und dies ist nicht leicht! Es gibt heute mindestens 20.000 wissenschaftlich anerkannte Allergene. Besteht ein konkreter Verdacht, beginnt die funktionelle Diagnostik und der Patient wird mit den verdächtigen Stoffen zusammengebracht - zum Bespiel durch Hauttests. Zu den weiteren Testmöglichkeiten gehören Provokationstests oder serologische Tests (Bluttests), bei denen die im Blutserum angetroffenen Antikörper im Labor bestimmt werden.

In manchen Fällen wird Ihr Kind aus der Allergie herauswachsen, z. B. aus der Kuhmilchallergie. In anderen Fällen wird die Allergie mit zunehmendem Alter schlimmer. Es kommt auch vor, dass ein Kind auch noch später eine neue Allergie entwickelt.

Sind Allergien angeboren?

Die Anlage zu Allergien ist meist ererbt, obwohl jeder in der Familie auf eine andere Substanz allergisch sein kann. Ein Kind könnte Asthma haben, während das andere unter Heuschnupfen leidet. Besonders erblich vorbelastete Babys haben ein erhöhtes Risiko, ebenfalls an einer Allergie zu leiden. Sind beide Eltern Allergiker, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 50 - 80 Prozent, dass auch der Säugling eine allergische Reaktion zeigt, wobei Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten das Allergierisiko in den ersten Jahren deutlich senken kann. 

Die Symptome

Besonders bei Babys sind Allergien schwer zu erkennen, weil die Symptome ähnlich wie bei einer Erkältung sind. Erst wenn das Röcheln auch ohne Erkältung bestehen bleibt, dann wird Ihr Kinderarzt Sie bitten ein Tagebuch über die Symptome zu führen. Asthma bei Kindern wird üblicherweise durch die Krankheitsgeschichte und die Reaktion auf bronchienerweiternde Medikamente diagnostiziert. Gängige Allergien wie Neurodermitis und Heuschnupfen können üblicherweise schnell festgestellt werden.

Wichtig!

Wenn Ihr Baby Probleme beim Atmen hat, keucht, desorientiert wirkt, einen rasenden Puls hat, bleich oder eiskalt ist, dann rufen Sie sofort den Notarzt.

Typische Allergien bei Babys

Eine Allergie bei Ihrem Baby kann zum Beispiel durch Pollen ausgelöst werden, aber nicht nur blühende Wiesen können bei kleinen Allergikern Schnupfen auslösen. Beim Baby zeigt sich eine Allergie hauptsächlich an der Haut, dem Magen-Darm-Trakt oder den Atmungsorganen.

1. Die Haut.

Hautstellen, die von einer Allergie betroffen sind, zeichnen sich in der Regel durch eine sichtbare Rötung aus. Es kann zu Bläschen, Schuppen oder Krusten kommen. Milchschorf ist das harmloseste und am weitesten verbreitete Zeichen für eine allergische Hautreaktion. Viel schlimmer ist ein Ekzem oder Neurodermitis. Falls Ihr Baby an einer Allergie wie Neurodermitis leidet, lässt sich dies durch das typische Erscheinungsbild sehr einfach diagnostizieren. Zum Glück verschwindet die Krankheit bei rund 50 Prozent aller Babys in den ersten zwei Lebensjahren.

2. Der Magen-Darm-Trakt.

An einer Allergie des Magen-Darm-Traktes ist am häufigsten eine Unverträglichkeit eines oder mehrerer Lebensmittel schuld. Dies kann mit Durchfall, Erbrechen, Koliken, blutigem Stuhl oder auch Bauchschmerzen resultieren. Ist Ihr Säugling von einer Allergie betroffen, die sich im Magen-Darm-Trakt zeigt, ist dies nicht einfach festzustellen. Der Arzt wird Sie zunächst bitten, über die Symptome Tagebuch zu führen und herauszufinden, ob sich Ihr Baby zum Beispiel nach einem bestimmten Essen übergeben muss. Ermutigend ist, dass auch hier bei rund 50 Prozent aller Babys in den ersten zwei Lebensjahren Lebensmittelunverträglichkeiten, wie die Kuhmilchallergie, verschwinden.

3. Atmungsorgane.

Reagieren die Atmungsorgane allergisch, äußert sich das in einem entzündeten Hals-, Nasen- und Rachenraum oder sogar in Atemnot aus. Oft sind auch die Augen geschwollen. An diesen Symptomen können Sie erkennen, dass Ihr Baby womöglich an Heuschnupfen oder Asthma leidet. Hausstaubmilbenallergien treten besonders oft im Winter auf und sind daher nur schwer von Erkältungen zu unterscheiden. Fällt Ihnen auf, dass Ihr Baby Symptome ohne ersichtlichen Grund zeigt, dann sollten Sie zum Arzt gehen um dies mit ihm besprechen.

Die Behandlung

Ist eine Allergie festgestellt, muss der Erreger ausfindig gemacht werden, denn die beste Behandlung ist simpel die krank machenden Allergene zu vermeiden. Ist das Allergen gefunden, sollten Sie dieses bestmöglich vermeiden. Wenn Ihr Kind auf bestimmte Pollen allergisch ist, sollte es in der heftigsten Pollenflugphase zuhause bleiben. Baden vor dem Schlafen sorgt zusätzlich dafür, dass es die Pollen nicht mit ins Bett nimmt. Bei Hausstaubmilben sollte man besonders auf die Sauberkeit und Hygiene achten. Milbenfänger wie Kuscheltiere, sollten öfter in die Waschmaschine oder in die Gefriertruhe um sie von Hausstaubmilben zu befreien (morgens reicht es die Spielsachen auszuklopfen, so fallen die getöteten Staubmilben einfach heraus). Da man Staub nicht komplett aus dem Haus eliminieren kann, ist häufiges Lüften angesagt, um die Milben in Schach zu halten. Sie können auch die Teppiche gegen Laminat oder Parkett austauschen. Waschen Sie Bettzeug möglichst heiß. Auch der wöchentliche Wechsel des Bettzeugs ist zu empfehlen. Die Matratze kann mit einem besonderen milbendichten Bezug ausgestattet werden. Benutzen Sie lieber den Wischmopp als den Staubsauger. Sie können auch Staubsauger mit einem HEPA-Filter kaufen, der Feinpartikel wie Milben oder andere Allergene aus der Luft herausfiltert.

Wenn Ihr Kind besonders schlimm betroffen ist, kann Ihr Arzt Ihnen je nach Schweregrad auch verschiedene Medikamente verschreiben (hauptsächlich Kortison oder Antihistaminika). Gelegentlich werden bei Babys und Kleinkindern auch Steroide gegen die Allergie eingesetzt. Starke Allergene sind Zigarettenrauch, Daunen- und Federkissen, Parfüm, Tierhaare, Staubmilben und Wolldecken – meiden Sie sie. Wenn Ihr Kind unter Neurodermitis leidet, dann lassen Sie sich vom Arzt feuchtigkeitsspendende Cremes und Seifenersatz verschreiben. Cortison kann in Extremfällen gegen die Symptome helfen. Haustiere, die die Allergie auslösen können, sollten im Freien gehalten werden oder in Zimmern, zu denen das Kind wenig oder keinen Zugang hat.

Allergien vorbeugen

  • Stillen - Stillen ist der beste Schutz gegen eine Allergie beim Baby
  • HA-Nahrung - wenn Sie nicht stillen, empfiehlt sich die Gabe von hyperallergener Anfangsnahrung (HA-Nahrung)
  • Allergieauslösende Lebensmittel nicht vermeiden – Sie sollten allergieauslösende Lebensmittel wie Kuhmilch, Fisch, Eier oder Nüsse weder in der Schwangerschaft, noch in der Stillzeit oder beim ersten Beikostalter vermeiden. Ein früher Kontakt mit verschiedenen Lebensmitteln kann dazu führen, dass sich der Körper daran gewöhnt und diese toleriert
  • Babypflegeprodukte mit kosmetischen Zusätzen sollten Sie nur sparsam einsetzen
  • Meiden Sie Zigarettenrauch - eine nikotinfreie Umgebung beugt einer Allergie beim Baby ebenfalls vor
  • Nicht mit der Sauberkeit übertreiben - wenig Staub und häufiges Lüften sind gut, aber Ihr Haus sollte nicht zu steril sein - das Immunsystem Ihres Babys sollte stimuliert und die Abwehr trainieren werden

Denken Sie daran, vorbeugen ist immer besser als behandeln. Wenn es jedoch schon zu einer Allergie kommt, kann man durchaus mit ihr leben. Wir hoffen, dass wir Ihnen mit den in diesem Artikel enthaltenen Informationen, weiterhelfen konnten. smiley

Boguslaw Papierak


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